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Adoptiveltern

Lieber Jan,

heute ist Dein Buch angekommen und ich habe es bereits in meiner Mittagspause ausgelesen. Glückwunsch erstmal zu dem großartigen Buch das Deine Situation sehr gut und gefühlvoll beschreibt.

Ich selbst bin Adoptivpapa einer kleinen Tochter welche jetzt 3 Jahre alt ist. Ihre leiblichen Eltern waren/sind drogensüchtig und sie hat einen weiteren Bruder sowie eine Halbschwester und einen Halbbruder. Alle Geschwister leben nicht bei den leiblichen Eltern. Sie sind auf Heime und Pflegefamilien aufgeteilt. Wir haben uns schon alle Kontakte erkämpft und werden diese aufbewahren für die Zeit die kommen wird. Vielleicht wird meine Tochter auch ab und an mal einen Brief an ihre Geschwister schreiben und vielleicht kann man sich auch irgendwann, bereits in der Kindheit, mal treffen und den Kontakt waren. So dass sie niemals allein ist auch wenn Sie diese Konflikte mit uns als Eltern irgendwann mal entwickeln sollte.

Meine Tochter kam zu uns nachdem sie neun Monate in einer Pflegefamilie lebte und sie hat sich uns regelrecht ausgesucht. So hatte zumindest das Umfeld und wir selbst das Gefühl. Was im inneren vor sich geht, ob sie nur lieb lächelt damit sie endlich in eine Familie kommt, wer weiß das schon.

Mich als Adoptivpapa interessieren natürlich solche Erfahrungen, wie die Deine, sehr und ich möchte meine Tochter auch so gut es geht darauf vorbereiten. Die Fragen werden kommen und die Auseinandersetzungen mit der Situation ebenfalls. Mich würde sehr interessieren wie Deine Geschichte verlaufen wäre wenn Deine Adoptiveltern dich bereits vorher darauf vorbereitet hätten und Dir vielleicht sogar das Gefühl gegeben hätten Du seiest privilegiert, konntest Du dir doch Deine Eltern aussuchen und andere Kinder „mussten“ die nehmen die sie hatten oder Du hast zwei Geburtstage im Jahr, andere nur einen indem man den Einzugstag zu einem besonderen macht. Also im relativ jungen Alter auf eine spielerische Art und Weise. Keiner weiß wie man es richtig macht und ich denke das es auch auf den Typ Kind/Mensch drauf ankommt. Aber fragst Du dich nicht auch manchmal was gewesen wäre, wenn Du es vorher gewusst hättest? Bevor Dich Verletzungen anderer Personen überhaupt treffen konnten? Wenn Du hättest kontern können und sie nichts mehr entgegensetzen hätten können?

Ich weiß – hätte, wenn und aber zählt nicht und jeder muss seinen eigenen Weg gehen. Ich finde es auf jeden Fall auch super gut geschrieben wie Du das Verhältnis zu Deinen Adoptiveltern beschrieben hast. Sie hatten ab dem Zeitpunkt als Du es wusstest keine Chance mehr und standen dennoch immer zu Dir. Genau das möchte ich meiner Tochter auch geben, egal was kommt. Sie kann nichts dafür und ich werde sie bei allem unterstützen, auch wenn sie ihre leiblichen Eltern kennenlernen möchte. Wie ich aber innerlich damit umgehen würde wenn meine Tochter mich irgendwann so abweist kann ich auch nicht mit Sicherheit sagen. Ich wüsste jedoch es hat nichts mit mir zu tun.

Wie ich schon oben schrieb bin ich sehr an Erfahrungen von Adoptivkindern und deren Geschichten interessiert und vielleicht schreibt der ein oder andere auch noch etwas in dieses Forum. Ich denke es hilft beiden Seiten besser mit bestimmten Situationen, die kommen können aber nicht müssen, umgehen zu können.

Viele Grüße
Jens